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Festival Internationale Neue Dramatik F.I.N.D. 2013


Mit dem bereits zum dreizehnten Mal stattfindenden Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) präsentierte die Schaubühne vom 16. bis 24. März 2013 neue Inszenierungen und Texte von Theatermachern aus Europa und deren Ensembles. Neun Tage lang gab F.I.N.D. Regisseuren, Schauspielern und Autoren aus Italien, Spanien, Griechenland, Ungarn, Russland und Deutschland das Wort und schaffte einen Raum für Austausch, Erfahrung und gemeinsames Nachdenken über Länder-, Sprach- und kulturelle Grenzen hinweg.
Das Festival hatte sich vorgenommen zu zeigen, dass spannendes Theater in Europa heute – allen Krisen zum Trotz – häufig gerade dort stattfindet, wo ökonomische und politische Zwänge am heftigsten wirken.
Mit insgesamt 28 Vorstellungen an 10 Tagen, über 5.700 Besuchern und einer Auslastung von 94% war F.I.N.D. 2013 eines der erfolgreichsten Festivals Internationale Neue Dramatik in seiner dreizehnjährigen Geschichte.

Einen Überblick über das Programm finden Sie hier.
Eine Dokumentation als pdf inklusive Fotos können Sie hier herunterladen.

F.I.N.D. im Spielplan


Aus dem internationalen Zusammentreffen von Autoren, Regisseuren und Schauspielern im Rahmen des F.I.N.D. gehen Projekte und Inszenierungen hervor, die Schwerpunkte des Spielplans der Schaubühne bilden.

Aktuell stehen die aus F.I.N.D.-Produktionen hervorgegangenen Stücke »Hyperion« nach Friedrich Hölderlin in der Regie von Romeo Castellucci, »Notizen aus der Küche« von Rodrigo García inszeniert von Patrick Wengenroth, »Galaxy« von BLITZ, »Die Tiefe« von Jón Atli Jónasson in der Regie von Egill Heiðar Anton Pálsson, »Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch« von Rodrigo García, »Regen in Neukölln« von Paul Brodowsky sowie »Dritte Generation« von Yael Ronen auf dem Spielplan.

Die Entdeckungen des Festivals und die Arbeit an den neuen Stücken führten auch in den vergangenen Spielzeiten zu zahlreichen Uraufführungen und deutschsprachigen Erstaufführungen. Eine Auswahl an aus den Festivals resultierende Produktionen und Projekten:
Im März 2009 hatte die deutsch-israelisch-palästinensische work-in-progress- Produktion »Dritte Generation« von Yael Ronen Premiere. Ronens Stücke wurden beim 7. F.I.N.D. mit Schwerpunkt Israel präsentiert.
Im November 2007 hatte Falk Richters neues Stück »Im Ausnahmezustand« Premiere. Falk Richter, seit der Spielzeit 2006/07 fester Hausregisseur an der Schaubühne, hatte sein Stück in einer ersten Fassung im Rahmen von F.I.N.D. 6 als szenische Lesung eingerichtet.
Des Weiteren kam es zur Erstaufführung von Debbie Tucker Greens Stück »Stoning Mary«. Der Australische Regisseur Benedict Andrews, der seit F.I.N.D. 3 kontinuierlich an der Schaubühne arbeitet, hat das Stück beim letzten Festival eingerichtet und im Frühjahr 2007 an der Schaubühne inszeniert. Beim Festival 2007 wurde das Stück »Trade« von Debbie Tucker Green vorgestellt.
2006 hatte die deutschsprachige Erstaufführung von Mark Ravenhills neuem Stück »Das Produkt « Premiere, eingerichtet von Thomas Ostermeier. Die Uraufführungsinszenierung des Stücks war im Rahmen von F.I.N.D. 6 mit Mark Ravenhill in der Hauptrolle zu sehen.
Im Oktober desselben Jahres wurde Christoph Nußbaumeders neues Stück »Liebe ist nur eine Möglichkeit« von Thomas Ostermeier uraufgeführt. Christoph Nußbaumeder hat mit seinem ersten Stück »Mit dem Gurkenflieger in die Südsee« den 2. Stückewettbewerb der Schaubühne am Lehniner Platz gewonnen. Thomas Ostermeier präsentierte es im Rahmen von F.I.N.D. 5.
Weitere Beispiele sind: »Eldorado« und »Das kalte Kind« von Marius von Mayenburg (2004/05 und 2002/03), »Die Dummheit« von Rafael Spregelburd (2004/05), »Electronic City« von Falk Richter (2003/04), »Suburban Motel« von George F. Walker (2003/04), »Supermarket« von Biljana Srbljanovic (2001/02), »Fluchtpunkt« von Jessica Goldberg (2000/01) und »Das ist ein Stuhl« von Caryl Churchill (2000/01).
Die intensive Zusammenarbeit mit Autoren im Rahmen des F.I.N.D. hat dazu beigetragen, Autoren wie u.a. Sarah Kane, Jon Fosse, Biljana Srbljanovic Caryl Churchill und Richard Dresser im deutschen Sprachraum zu etablieren.

F.I.N.D. 2012


F.I.N.D. 2012 zeigte sich erneut als zehntägiges Gastspiel-Festival für internationale Theatermacher und deren Ensembles und setzte so die 2011 begonnene Neuausrichtung fort.
Das Festival Internationale Neue Dramatik 2012 stand im Zeichen von Adaptionen, Neubearbeitungen und Umschriften klassischer Vorlagen durch Theatermacher und -autoren: Gastspiele aus Russland, Polen, den Niederlanden und Frankreich zeigten Aneignungen und Montagen von klassischen Textvorlagen: Thomas Ostermeiers Moskauer Inszenierung von »Fräulein Julie« in einer Bearbeitung von Michail Durnenkow, Krzysztof Warlikowskis »Afrikanische Erzählungen nach Shakespeare« mit Texten von Shakespeare, J.M. Coetzee, Wajdi Mouawad und anderen Autoren, außerdem Ivo van Hoves Inszenierung »Husbands« nach John Cassavetes und »L’impasse, I am what I am« nach Kroetz und dem Unsichtbaren Komitee von Mikaël Serre. Das Autorenprojekt Hotel Bogota präsentierte neue Stücke aus Spanien, Frankreich, Belgien, Großbritannien und Schweden von Mercè Sarrias, Sylvain Levey, Manuel Pereira, Leo Butler und Jonas Khemiri, die im Berliner Hotel Bogota am Kurfürstendamm aufgeführt wurden. Auch aus Großbritannien und Island waren zwei neue Stücke zu sehen, »Bunny« von Jack Thorne und »Die Tiefe« von Jón Atli Jónasson. Performances von BLITZ aus Griechenland und SandS through the hourglass aus Australien erweiterten das Programm.
Das Workshop-Programm F.I.N.D. plus brachte zum zweiten Mal Schauspiel-, Regie- und Dramaturgiestudierende zusammen – aus Frankreich, Deutschland und erstmals Polen und Palästina. Während der zehn Tage arbeiteten die Studierenden in praktischen Workshops, trafen die Künstler des Festivals zu Diskussionen und Gesprächen und zeigten Ergebnisse ihrer Arbeit in einer abschließenden Präsentation.

Hier können Sie das Programm von 2012 downloaden:
FIND2012_DEUTSCH.pdf

F.I.N.D. 2011


Im März 2011, dem elften Jahr seit seiner Entstehung, erfand sich das Festival Internationale Neue Dramatik neu: als großes Gastspielfestival für Autoren-Theatermacher aus aller Welt unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit. Zehn Tage lang waren renommierte Theatermacher aus Russland, Frankreich, Deutschland, Spanien, Finnland, Kanada sowie Israel und Palästina zu Gast. Zu sehen waren Uraufführungen von Wajdi Mouawad, Rodrigo García und Friederike Heller, Gastspiele von Alvis Hermanis, Yael Ronen, Jean-François Sivadier und Cilla Back, Workshop-Präsentationen von Ofira Henig und Yael Ronen sowie ein Autorenprojekt mit neuen Kurzstücken von Autoren aus Spanien, Finnland, Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Estland und Serbien.
Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde F.I.N.D. begleitet von einem großen Arbeitstreffen von ca. 60 Schauspiel-, Dramaturgie- und Regiestudenten aus Berlin, Moskau, Rennes, Bordeaux und Straßburg: F.I.N.D. plus. Die Studenten besuchten alle Vorstellungen des Festivals, trafen in Diskussionsrunden und Künstlerbegegnungen auf die Regisseure und nahmen an theaterpraktischen Workshops bei renommierten Theatermachern teil. Mit großem Erfolg wurden Gastspielvorstellungen von Schulen aus jedem Land gezeigt. Mit F.I.N.D. plus gelang es, Dialog zu schaffen zwischen internationalen Nachwuchskünstlern, bedeutenden Theatermachern sowie dem Berliner Publikum. Weitere Treffen in den nächsten Jahren sind vorgesehen und in Planung.

Hier können Sie das Programm von 2011 downloaden:
FIND2011_DEUTSCH.pdf

Zur Geschichte des Festivals bis 2010


Die Baracke am Deutschen Theater und die »Wochen Neuer Internationaler Dramatik«:
Als Thomas Ostermeier und Jens Hillje 1996 die Künstlerische Leitung der Baracke am Deutschen Theater in Berlin übernahmen, begannen sie bald darauf mit der Vorstellung von neuen internationalen Stücken. In kleineren Festivals, den »Wochen Neuer Internationaler Dramatik«, stellten sie die neue französische, englische, amerikanische und russische Dramatik in szenischen Lesungen vor. Kleinere Gastspiele aus z.B. England, Frankreich und Russland ergänzten das Programm dieser Festivals. Insgesamt gab es von 1996 bis 1999 an der Baracke sechs solcher Mini-Festivals. Diese »Wochen der neuen Dramatik« verschafften dem deutschsprachigen Publikum Zugang zu bislang unbekannten Autoren und Stücken, die Eingang in zahlreiche Spielpläne deutschsprachiger und europäischer Theater fanden. Sie trugen in einem erheblichen Umfang dazu bei, der zeitgenössischen internationalen Dramatik einen neuen Stellenwert zu geben.

F.I.N.D. 2000-2010

F.I.N.D. 2000
F.I.N.D. 1 im November 2000 an der Schaubühne setzte die Zusammenarbeit mit international renommierten Autoren und Theatergruppen fort, die bereits an der Baracke am Deutschen Theater begonnen hatte. Das Festival präsentierte Entdeckungen und Entwicklungen der internationalen Gegenwartsdramatik in szenischen Lesungen von Stücken u.a. aus Frankreich, den USA und England und in internationalen Gastspielen von u.a. der Theatergruppe ZT Hollandia unter der Leitung von Johan Simons und des russischen Autors und Schauspielers Jewgeni Grischkowez.

F.I.N.D. 2001
Beim F.I.N.D. 2 im Dezember 2001 vertieften sich bereits im ersten Jahr geschlossene Kontakte: für die Einrichtung der szenischen Lesungen von neuen Stücken wurden Regisseure aus Australien, England und Litauen eingeladen, um sie mit Theatertexten u.a. aus Japan, Finnland und Amerika und dem Ensemble der Schaubühne zusammenzuführen. Vier Schauspieler fuhren zum Kretakör Theater in Budapest, um dort mit ungarischen Schauspielern und dem Regisseur Arpad Schilling ein Phädra-Projekt zu erarbeiten. Außerdem waren Produktionen aus Kroatien (Theater ITD/Zagreb) und Spanien (La Carnicería Teatro/Madrid, Leitung Rodrigo García) an der Schaubühne zu Gast.

F.I.N.D. 2003
F.I.N.D. 3 im Januar 2003 hatte vier Schwerpunkte: Amerika, Skandinavien, das holländisch/flämische Theater und neueste deutsche Stücke. In szenischen Lesungen wurden Stücke aus Island und Schweden vorgestellt. Zu Gast waren Theatergruppen aus Belgien, Holland, Schottland und Spanien.

F.I.N.D. 2004
F.I.N.D. 4 im Januar 2004 stand unter dem Motto »Unsere Art zu Leben« und setzte sich mit den Phänomenen von Gewalt, Krieg, Ökonomie und Mediendemokratie in der Gegenwart und in der jüngsten Vergangenheit auseinander und den damit verbundenen Konsequenzen für das Individuum. Das Motto war Falk Richters Stückezyklus »Das System« entliehen, es ist Teil des Stücketitels »Electronic City - unsere Art zu leben«. »Electronic City« wurde neben anderen Arbeiten von Falk Richter während des Festivals gezeigt. Wir präsentierten außerdem neue deutsche Stücke von u.a. Marius von Mayenburg und Franz Xaver Kroetz, neue Stücke aus Australien und England und zeigten Gastspiele aus Schweden, Spanien und Norwegen.

F.I.N.D. 2005
Den Schwerpunkt von F.I.N.D. 5 bildete die zeitgenössische Dramatik aus Asien. Wir präsentierten Stücke, Gastspiele, Autoren und Regisseure u.a. aus Japan, China und Singapur. Als wiederkehrendes Thema tauchte das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne auf. Aus westlicher Perspektive beleuchteten Stücke und Gastspiele aus Kanada, Schottland, England und Argentinien die Lebensbedingungen der modernen Großstadt.

F.I.N.D. 2006
F.I.N.D. 6 stand unter dem Motto »Orient Express« und präsentierte die junge Theaterszene aus Budapest, Bukarest, Sofia und Istanbul. Neben szenischen Lesungen schrieben internationale Autoren für das von der Schaubühne konzipierte Projekt »Orient Express« Geschichten über eine fiktive transeuropäische Zugreise. Zu Gast waren außerdem Autoren aus Frankreich und England. Falk Richter präsentierte sein neues Stück »Ausnahmenzustand«.

F.I.N.D. 2007
Der Fokus von F.I.N.D. 7 lag auf neuen Stücken aus Israel. Die israelisch-palästinensische Region ist einer der weltpolitisch brisantesten Krisenherde, der aus historischer Perspektive eng mit der deutschen Vergangenheit verwoben ist. Dies war der Ausgangspunkt unserer Beschäftigung mit neuen Stücken aus dem Nahen Osten. Präsentiert wurden u.a. Stücke von Ido Bornstein, Hillel Mittelpunkt und Yael Ronen, die im folgenden Jahr die deutsch-israelisch-palästinensische work-in-progress- Produktion »Dritte Generation« erarbeitete.

F.I.N.D. 2008
Im November 2008 fand an der Schaubühne das achte Festival Internationale Neue Dramatik F.I.N.D. 8 mit dem »Fokus Palästina« statt, in dessen Zentrum die Auseinandersetzung mit der palästinensischen Theaterszene stand.
Durch die Präsentation von Theaterstücken und Theaterformen aus Palästina sowie die intensive Zusammenarbeit mit palästinensischen Künstlern wurde der Versuch unternommen, sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit einer äußerst brisanten Lebenswirklichkeit zu stellen.
Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen für palästinensische Künstler ist neben dem arabisch-hebräischen Theater in Israel auch im Westjordanland eine interessante Theaterlandschaft entstanden. Die Theaterschaffenden haben sehr unterschiedliche Möglichkeiten entwickelt, sowohl mit der alltäglichen politischen Situation als auch mit den Konflikten und Brüchen innerhalb der eigenen Gesellschaft künstlerisch umzugehen. Ihre Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld der Ideologien, Kulturen und Religionen – der Tradition und Moderne.
Der »Fokus Palästina« setzte somit die äußerst erfolgreiche und fruchtbare Präsentation israelischen Theaters im März 2007 an der Schaubühne fort.

F.I.N.D. 2009
Im März 2009 fand das »Internationale Autorenfestival zu Identität und Geschichte - Digging deep and getting dirty« statt:
1919–1929–1939–1949–1989–2009: In einem Jahr der Jahrestage widmeten sich sechs Autoren aus fünf Ländern dem Experiment, aus der Beschäftigung mit der Geschichte über die Gegenwart zu schreiben. Identität, individuell und kollektiv, kulturell und politisch, wird in den entstandenen Dramen zu einem zentralen Thema und zum Anlass eines Spiels auf vielen Ebenen. Das Publikum war eingeladen, die Inszenierungen dieser neuen Stücke während unseres zehntägigen Autorenfestivals zu entdecken. Zu sehen waren »Dritte Generation« von Yael Ronen & the Company, eine Ko-Produktion der Schaubühne und dem Habima Theatre Israel: Yael Ronen analysiert mit einer Gruppe von israelischen, palästinensischen und deutschen Schauspielern den Gordischen Knoten, der das Verhältnis dieser drei Nationen bestimmt. Begriffe wie Erinnerung, Schuld, Täter und Opfer sowie ihre Bedeutung für uns heute werden hinterfragt – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Gebrauch. Außerdem war der Schaubühnen-Hausautor, Dramaturg und Regisseur Marius von Mayenburg mit zwei Produktionen vertreten. »Der Stein« von Marius von Mayenburg zeichnet die verschlungenen Lebenslinien der Bewohner eines Hauses in Dresden zwischen 1935 und 1993 nach. Die Szenen springen kühn zwischen den Zeiten und münden in eine sehr menschliche Geschichte von Schuld, Verdrängung und Umdeutung der Vergangenheit in einer deutschen Familie. »Die Tauben« von David Gieselmann ist das Gewinnerstück des Komödienwettbewerbs im Rahmen von »60 Jahre Deutschland«; inszeniert wurde das Stück von Marius von Mayenburg. »Ich will hier weg«, sind Robert Bertrands erste Worte in »Die Tauben«. Kurze Zeit später ist er tatsächlich weg. Doch dann erscheint François Bertrand, Roberts taubenzüchtender Halbbruder, und weckt romantische Gefühle bei Roberts Frau Gerlinde sowie bei der holländischen Tresorknackerin Silja. Außerdem zu sehen waren »Todo« (UA) und »Buenos Aires« von Rafael Spregelburd, sowie Mark Ravenhills »Over There« (UA), Dorota Masłowskas »Wir kommen gut klar mit uns« (UA) sowie eine Produktion der freien Gruppe Turbo Pascal: »Wir werden wieder wer gewesen sein«.

F.I.N.D. 2010
F.I.N.D.10 im März 2010 stand im Zeichen der »Drei Amerikas«. Ausgehend vom 200. Jahrestag der Unabhängigkeitskämpfe in den ehemaligen spanischen Kolonien des amerikanischen Kontinents wurden im Rahmen des Festivals die verschiedenen spanisch-, englisch- und französischsprachigen Theatertraditionen vorgestellt. Ziel war es, durch den Fokus des Theaters die künstlerische Reflektion über die sozialen, ökonomischen und kulturellen Konflikte dieses Erdteils zu beleuchten, die ihn zum Laboratorium für die Auseinandersetzung um die zukünftige Verfasstheit einer globalisierten Welt machen. Es wurden Gastspiele der argentinisch-stämmigen Theatermacher Rodrigo García, Rafael Spregelburd sowie »Verbrennungen« des Frankokanadiers Wajdi Mouawad gezeigt. In szenischen Lesungen wurden neue Stücke aus Mexiko, den USA und mit großem Erfolg die Adaption des chilenischen Jahrhundertromans »2666« von Roberto Bolaño, eingerichtet von Alex Rígola, präsentiert. Patrick Wengenroth beschäftigte sich in einem Projekt aus europäischer Perspektive mit »The Americas – War oft he worlds«. Die Podiumsdiskussion »Streitraum Spezial – Die Amerikas« brachte Theatermacher und Theoretiker ins Gespräch mit dem Festivalpublikum.

Stückewettbewerb


Das Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) hat sich im Jahr 2011 neu erfunden: als Festival für internationale Theatermacher, die als regieführende Autoren ihre eigenen Werke auf der Bühne realisieren. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, die Preisvergabe im Rahmen des Stückewettbewerbs an der Schaubühne auf unbestimmte Zeit auszusetzen.

Ursprungsidee

Die Schaubühne am Lehniner Platz veranstaltete bis 2010 jährlich einen Stückewettbewerb.

Seit 1999 bemüht sich die Schaubühne um die Unterstützung junger und in Deutschland noch unbekannter Dramatiker/innen: so das alljährlich stattfindende Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) oder die Kooperation mit dem Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. zur Förderung von Theaterautoren.

Aus den Einsendungen des Stückewettbewerbs wählt die Dramaturgie der Schaubühne ein Stück aus, das dann im Rahmen des kommenden Festivals Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) als szenische Lesung in der Regie eines namhaften Regisseurs vorgestellt wird. Die Schaubühne hat nach der szenischen Lesung eine Option von drei Monaten auf das Stück.

Seit 1999 bemüht sich die Schaubühne um die Unterstützung junger und in Deutschland noch unbekannter Dramatiker/innen: so das alljährlich stattfindende Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) oder die Kooperation mit dem Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. zur Förderung von Theaterautoren.

Aus den Einsendungen des Stückewettbewerbs wählt die Dramaturgie der Schaubühne ein Stück aus, das dann im Rahmen des kommenden Festivals Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) als szenische Lesung in der Regie eines namhaften Regisseurs vorgestellt wird. Die Schaubühne hat nach der szenischen Lesung eine Option von drei Monaten auf das Stück.

2009
Der Gewinner des 6. Stückewettbewerbes ist Christian Winkler. Sein Stück »In den Arkaden« wurde am 7. März im Rahmen von »F.I.N.D.10 - Die drei Amerikas« in einer szenischen Lesung präsentiert.
Zum Stück:
Erik bricht erschöpft und ausgebrannt auf der Straße zusammen. Zum Glück sind drei Ärzte, Dr. Brodler, Dr. Kopper und Dr. Harter zur Stelle. Ihre Meinung ist einhellig: Erik muß zur Kur, und zwar in einer Vergnügungsanlage am Rande der Stadt. Erik macht sich auf zum Wunderwest Erholungspark, wo er auf einmal Eric heißt. Das Unterhaltungsangebot ist überwältigend, aber als Eric von einer Attraktion, die Skymaster heißt hört, ist er wie besessen. Er macht sich auf die Suche nach dem Skymaster und merkt nach und nach, dass das Leben eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Trubel auf einem Rummelplatz hat …
Zum Autor
Christian Winkler *1981 in Graz, Autor und Regisseur, studierte szenisches Schreiben in Graz. Er ist der Gewinner des 6. Stückewettbewerbs an der Schaubühne.

2007
Der Wahnsinn der Welt
Nina Ender gewinnt mit »Die Wissenden« den 5. Stückewettbewerb
Die Jury des 5. Stückewettbewerbs der Schaubühne hat gewählt: Gewinnerin der diesjährigen Ausschreibung ist die junge deutsche Autorin Nina Ender mit ihrem Stück »Die Wissenden«. Im Rahmen des 8. Festivals Internationale Neue Dramatik wird das Stück in einer szenischen Lesung präsentiert.
Die Jury, bestehend aus der Dramaturgie der Schaubühne sowie dem Hausautor Marius von Mayenburg, lobt die furchtlose und komplexe Auseinandersetzung mit einem diffizilen Thema und den überraschenden Humor des Stücks. »Die Wissenden« besticht nach Meinung der Jury durch eine Fülle vielschichtig verwobener Figuren und Geschichten.
Die szenische Lesung von »Die Wissenden« findet beim Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.8 - Fokus Palästina) im Oktober 2008 statt.
Das Stück
Paula Schenk, geborene Schwenk, ist Französischlehrerin am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ihr Mann Michael macht neurologische Experimente, unter anderem mit dem mehrfach schwerstbehinderten Ralph, dem Bruder einer Schülerin. Durch eine zufällige Begegnung zwischen Ralph und Paula und eine unachtsame Bemerkung beginnt das Leben der Lehrerin zu zerfallen. Die Spätabtreibung eines behinderten Babys lastet immer schwerer auf Paula und während Michael neue wissenschaftliche Erfolge erringt und mit einer ihrer Lehrerkolleginnen schläft, trifft Paula auf ein Mädchen, das ihrem todkranken Vater Sterbehilfe leisten will…
Das Stück stellt die Frage nach dem Wert eines Menschenlebens, wann ein Leben lebenswert ist und wann nicht. »Die Wissenden« erforscht den Wahnsinn der Welt und den Wahnsinn derer, die darin leben.
Die Autorin
Nina Ender, geboren 1980 in Erlangen, hat gerade ihr Studium des Szenischen Schreibens an der Universität der Künste Berlin abgeschlossen. Für ihr Kurzdrama »Der Katze den Kuchen reichen« (Regisseur UA: Jan-Christoph Gockel) erhielt sie den Publikumspreis beim DRAMA KÖLN 2005, mit dem Stück »Neues Land« nahm sie beim Stückemarkt-Workshop des Berliner Theatertreffens 2005 und am Wochenende der Jungen Dramatiker an den Münchner Kammerspielen 2006 teil. Im gleichen Jahr wurde Nina Ender zum FORUM JUNGER AUTOREN EUROPAS der Theaterbiennale Wiesbaden / Neue Stücke aus Europa 2006 eingeladen, wie auch zu den Werkstatttagen des Burgtheaters. Ihr Stück »Beta« (Regie: Jan-Christoph Gockel) ist Teil der »Deutschlandsaga« im Studio der Schaubühne.

2006
Aus den eingesendeten Stücken wählte die Jury, bestehend aus der Dramaturgie der Schaubühne und dem Hausautor Marius von Mayenburg, Lorenz Langenegger mit seinem Text »Rakows Dom«.
Rakow will einen gigantischen Dom bauen: dreimal so groß wie ein Fußballfeld, doppelt so hoch wie ein Baukran und eine Kuppel mit dem Umfang einer Finnenbahn. Sogar die Künstler, deren Ateliers dem Prachtobjekt weichen müssen, setzen sich für den Dombau ein. Er ist in ihren Augen ein zukunftsweisender Akt der Kunst, der mit einer Hochzeit als Performance eröffnet werden soll. Rakow bestimmt, dass sein rebellischer Sohn ein Mädchen von der Kunsthochschule heiraten soll. Doch Rakow Juniors Zuneigung zu ihr beruht einzig auf der Tatsache, dass sie seiner geliebten Schwester Jelena ähnlich sieht, die auf einer mysteriösen Kur in Jalta ist. Aber das größte Problem ist der Pfarrer, der sich gegen den Dom wehrt. Die Gemeinde sei einfach zu klein und der Organist zu schlecht für eine Domorgel. Dieses Hindernis muss Frau Stadtpräsidentin aus dem Weg räumen, da Rakow die Stadt zu verlassen droht, wenn der Bau verhindert wird. Zwar braucht die Stadt keinen Dom, aber sie braucht Rakow: sein Geld, seine Steuern, seine Investitionen. Rakow ist das alles egal, solange der Dom die Beseitigung seiner Tochter verschleiert und die umhergehenden Gerüchte verstummen lässt.
Der junge Schweizer Autor Lorenz Langenegger beschreibt mit Rakows Dom den Irrsinn des Glaubens an Geld und Macht, die Absurditäten politischer Mechanismen und die große Verdrängung einer Familienlüge.
Lorenz Langenegger, geboren 1980, lebt in Zürich. Er studierte Theater- und Politikwissenschaft in Bern, wo seine ersten Arbeiten fürs Theater entstanden sind. Seit 2004 verschiedene Auftragsarbeiten für das Theater an der Sihl in Zürich, unter anderem die Teilnahme am MagicNet Projekt »European Odyssee«. 2005 Teilnahme an der Masterclass MC6 und 2006 am Dramenprozessor.

2005
Die Siegerin des 3. Stückewettbewerbs ist Johanna Kaptein. Die Jury prämierte ihr Stück »Die Geschichte von St. Magda«.
»Die Geschichte von St. Magda« ist das Porträt einer Frau, die zur Mörderin wird. Von der Ehefrau ihres Geliebten gedemütigt, verlässt Magda die Kleinstadt und gerät in der nächst gelegenen Stadt in noch größere Probleme. Die Männer, die sie trifft, bestimmen ihr Leben und Schicksal; auf jeden Fall tun sie das bis zu dem Tag, an dem Magda der Geduldsfaden reißt...
Ein paar Jahre später wird die Kleinstadt, wo der Mord geschah, zur Touristenattraktion und die Einwohner treffen sich am Jahrestag des Mordes, um sich die Geschichte von Magda zu erzählen. Durch die geschickte Vermischung der Zeitebenen und den Wechsel zwischen epischer und dramatischer Form schafft es Kaptein, überzeugend und detailliert zugleich ein Einzelschicksal und eine klaustrophobische Kleinstadtwelt zu zeigen.
Johanna Kaptein, 1974 in Hamburg geboren, schrieb 1999-2000 für die Sendung »Exkursion Agonie« im FSK (Freies Sender Kombinat Hamburg) und war von 2000-2001 Mitglied im Forum Hamburger Autoren. Seit April 2002 studiert Johanna Kaptein Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin.
»Die Geschichte von St. Magda« wurde am 19. März 2006 beim 6. Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D. 6 vom 16. – 19. März 2006) in einer szenischen Lesung von Thomas Ostermeier vorgestellt.

2004
Christoph Nußbaumeder gewinnt den 2. Stückewettbewerb 2004.
In der Tradition des kritischen Volksstückes beschreibt er die menschlichen und ökonomischen Konflikte, die während der Ernte auf einer niederbayerischen Gurkenplantage zwischen polnischen Saisonarbeitern und den Einheimischen aufbrechen. In der sommerlichen Hitze prallen die Träume der zwanzigjährigen Marlies von einem besseren Leben auf die Wirklichkeit ökonomischer Ausbeutung und missbräuchlicher Beziehungen zwischen Frauen
und Männern.
Christoph Nußbaumeder wurde 1978 in Eggenfelden/Niederbayern geboren. Nach Abitur, Zivildienst und Arbeit in einer Automobilfabrik lebt er heute in Berlin und studiert Jura, Germanistik und Geschichte. 2004 erhielt er das Thomas-Bernhard-Stipendium des Landestheaters Linz und schreibt zurzeit an einem neuen Stück.
»Mit dem Gurkenflieger in die Südsee« wurde Mitte März 2005 beim 5.Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D. 5 vom 16. bis 20. März 2005) in einer szenischen Lesung von Thomas Ostermeier vorgestellt. Im Rahmen des Festivals war auch Christoph Nußbaumeders 2001 entstandenes Filmportrait über den Schauspieler und Dramatiker Martin Sperr »Nach der Jagd. Szenen« zu sehen. Christoph Nußbaumeders Stücke erscheinen beim Suhrkamp Verlag. Sein neues Stück »Liebe ist nur eine Möglichkeit« inszeniert Thomas Ostermeier in der Spielzeit 2005/06 an der Schaubühne.

2003
Aus den eingesendeten Stücken wählte die Jury, bestehend aus der Dramaturgie der Schaubühne und dem Hausautor Marius von Mayenburg, die 20jährige Gerhild Steinbuch mit ihrem Text »kopftot«.
Ihren Text »kopftot« kennzeichnet die Autorin im Untertitel als »Stück über einen Fluchtversuch«: In psychischer und physischer Repression lebt Ophelia allein mit ihrem Vater. Im Versuch, der klaustrophobischen Situation zu entfliehen, erfindet sie ihre Familie neu, schafft sich einen Bruder und phantasiert die tote Mutter zurück in ihr Leben, bis der Vater den Rückzug in die Wahnwelt entdeckt und Ophelias Refugium zerstört.
Gerhild Steinbuch ist 1983 in Mödling (Österreich) geboren und studiert in Graz Jura.
»kopftot« wurde im Januar 2004 im Rahmen des 4. Festivals Internationale Neue Dramatik (19.1. bis 26.1.2004) in einer szenischen Lesung vorgestellt. Gerhild Steinbuch arbeitet inzwischen an ihrem dritten Stück und wird vom Rowohlt Verlag vertreten. Zuletzt war von ihr »Nach dem glücklichen Tag« im Theater Graz zu sehen.
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