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schaubühne berlin
 
 

»Hedda Gabler«


von Henrik Ibsen
Regie: Thomas Ostermeier (ca. 135 min.)

Deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel

Premiere war am 26. Oktober 2005

Die Generalstochter Hedda Gabler hat geheiratet. Ihrem Ehemann, dem aufstrebenden Historiker Jörgen Tesman, winkt eine Professur; er hat sich daraufhin Geld geliehen und eine Villa gekauft, um seiner anspruchsvollen Frau etwas bieten zu können. Seinen Nebenbuhler, den attraktiveren und begabteren Lövborg, hat Hedda abblitzen lassen. Lövborg, der gerne in berüchtigten Clubs seinen glänzenden Intellekt mit Drogen betäubte, war finanziell und gesellschaftlich keine aussichtsreiche Perspektive für sie gewesen. Jetzt kehrt Hedda ernüchtert aus den Flitterwochen zurück und muss erfahren, dass Lövborg mittlerweile sein Lotterleben an den Nagel gehängt hat. Er hat ihre Abwesenheit genutzt, um ein aufsehen erregendes kulturgeschichtliches Buch zu schreiben, und dessen überwältigendes Echo lässt Tesmans Berufung zum Professor plötzlich mehr als fraglich erscheinen. Hedda zerrinnt ihr Lebensplan zwischen den Fingern. Gegen ihre Neigung hatte sie sich für ein Leben nach bürgerlichen Prinzipien entschieden. Als diese Prinzipien nun nicht halten, was sie versprachen, nämlich ökonomische Sorglosigkeit, beginnt sie, sich und ihre Umwelt zu hassen und läuft Amok: Sie verhöhnt hemmungslos ihren Ehemann, hintergeht ihn mit dem Hausfreund Brack, hintertreibt aus Eifersucht die Verbindung zwischen Lövborg und dem Fräulein Elvsted; sie verbrennt Lövborgs zukunftsweisendes Werk, treibt ihn zuerst zurück in die Sucht und schließlich in einen Selbstmord »in Schönheit«. Mit erbarmungslos wütender Hellsicht attackiert sie die erdrückende Gutartigkeit, hinter der ihre Mitmenschen Mittelmaß und Feigheit vor dem Leben verbergen. Manipulation und Lüge sind die Mittel, mit denen sie virtuos innerhalb nur eines Tages und einer Nacht diese von Aufstiegsdenken und Abstiegsangst dominierte Welt zum Einsturz bringt. Zuletzt wird sie selbst als Teil des Systems zur Zielscheibe ihrer Zerstörungswut: Sie kann ihr selbstgebautes Gefängnis nicht sprengen, ohne sich selbst zu zerstören.
In seinem 1891 am Hoftheater in München uraufgeführten Stück zeigt Ibsen einen Angriff auf das Bürgertum von innen. Als zusammengehörige Klasse mit gemeinsamen Werten ist das Bürgertum heute schwer auszumachen, aber die bürgerlichen Sehnsüchte und Ängste, die seit dem 19. Jahrhundert Biographien kontrolliert, reguliert und deformiert haben, sind heute in alle finanziellen Schichten der Gesellschaft diffundiert. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist unser kollektives Leitmotiv geworden. Wir sind wieder reif für die Herausforderung und Zumutung einer Hedda Gabler.

Für ihre Darstellung der »Hedda« zeichnete die Zeitschrift »Theater heute« Katharina Schüttler 2006 als »Schauspielerin des Jahres« aus, und der Deutsche Bühnenverein verlieh ihr den »Faust« für die »beste darstellerische Leistung Schauspiel«. »Hedda Gabler« in der Inszenierung von Thomas Ostermeier wurde von der Theatergemeinde Berlin-Brandenburg zur besten Aufführung der Spielzeit 2005/2006 gewählt.



Besetzung

Autor
Kostüme
Dramaturgie


Jørgen Tesman, Privatdozent der Kulturgeschichte
Frau Hedda Tesman, seine Frau
Fräulein Juliane Tesman, seine Tante
Frau Elvstedt
Richter Brack
Eilert Løvborg

Termine

16.06.2012, 20.00 Uhr
17.06.2012, 20.00 Uhr

Sponsoren


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