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schaubühne berlin
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Profil


Die Schaubühne wurde 1962 unter dem Namen »Schaubühne am Halleschen Ufer« als privates Theater mit einem politisch und sozial engagierten Spielplan gegründet. Von den ursprünglich vier Gründungsmitgliedern trug Jürgen Schitthelm bis Oktober 2012 die Verantwortung als Direktor der Schaubühne. Seither leiten Dr. Friedrich Barner, seit 1991 Mitglied der Direktion, und Tobias Veit das Theater. Namhafte Regisseure und Schauspieler des deutschsprachigen Theaters, unter anderem Peter Stein, Klaus Michael Grüber, Luc Bondy, Robert Wilson, Andrea Breth, Bruno Ganz, Edith Clever, Jutta Lampe, haben das Haus zu Weltruhm geführt. Gespielt wurde zunächst am Halleschen Ufer in Kreuzberg (im heutigen HAU 2) und seit 1981 im Mendelsohnbau am Lehniner Platz. Unter Thomas Ostermeier, Jens Hillje, Sasha Waltz und Jochen Sandig, die von 1999 bis 2004 die Künstlerische Leitung der Schaubühne inne hatten, entwickelte sich die Schaubühne zu einem international vernetzten Ort des zeitgenössischen Sprech- und Tanztheaters. Unter der Künstlerischen Leitung von Thomas Ostermeier ist die Schaubühne heute das einzige große Sprechtheater im Westen Berlins. Das Repertoire umfasst sowohl zeitgenössische Texte als auch die Werke vergangener Jahrhunderte.

Maßgeblich für die Spielplanentscheidungen, das heißt die Auswahl der Stoffe und der Regisseure, ist der kritisch-analytische, oft politische Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit und die daraus folgende Befragung der Formen eines zeitgemäßen Realismus’ in Inszenierung, Spielweise und Bühnenästhetik.

Die Beschäftigung mit den Lebenswelten der heutigen Bundesrepublik umfasst den Blick auf Randgruppen und die Ausgeschlossenen der Gesellschaft genauso wie den ins Zentrum der bürgerlichen Lebenswelt zwischen der neuen Mitte und dem alten Westen Berlins. Nach Arbeiten wie »Personenkreis 3.1« von Lars Noren in der Spielzeit 1999/2000 setzte sich Thomas Ostermeier mit Klassikern des 19. Jahrhunderts auseinander: In den Inszenierungen von Henrik Ibsens »Nora« (eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2003), »Hedda Gabler« (eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2006), »John Gabriel Borkmann« (Grand Prix de la Critique in Frankreich für die beste ausländische Inszenierung der Saison 2008/09) und »Ein Volksfeind« (Premiere in beim Festival d’Avignon 2012) findet sich ein kritisches Publikum in seinen Ängsten und Hoffnungen widergespiegelt und in seinen materiellen und mentalen Lebensverhältnissen analysiert. Die verständliche und inhaltlich schlüssige Vergegenwärtigung von Texten des bürgerlichen Kanons erschließt – wenn sie gelingt – den Zuschauern die unmittelbar aktuelle Virulenz eines Konflikts und im gleichen Moment auch dessen historische Dimension.
Darüber hinaus hat sich Thomas Ostermeier als Uraufführungsregisseur von zeitgenössischen Autoren wie Caryl Churchill, Richard Dresser, Jon Fosse, David Harrower, Sarah Kane, Lars Norén, Marius von Mayenburg, Mark Ravenhill oder Karst Woudstra profiliert.

Thomas Ostermeiers Arbeit als Künstlerischer Leiter und Regisseur der Schaubühne ist geprägt von der Entwicklung und Förderung des Ensembles. Die intensive Arbeit mit den Schauspielern ist bestimmend für seine zeitgenössischen Interpretationen klassischer Theatertexte und die Auseinandersetzung mit neuer Dramatik. Dabei entwickelt er spezifische Spielweisen für die jeweiligen, sehr divergenten Texte. Formale und inhaltliche Charakteristika des Materials werden dabei ebenso radikal befragt wie Traditionen in der Aufführungsästhetik und -spielweise. Dies läßt sich besonders deutlich in seinen Inszenierungen der Stücke William Shakespeares verfolgen: Nach einer die Grenzen überkommener Interpretationen erweiternden Deutung des »Sommernachtstraums« (zusammen mit der Choreographin Constanza Macras) gelang ihm mit seiner Inszenierung von »Hamlet« (Preis der Kritik für die Beste Ausländische Inszenierung in Barcelona) in der Spielzeit 2008/09 eine international vielfach gefeierte und prämierte Vergegenwärtigung des ewig zögernden Dänenprinzen. Seine Auseinandersetzung mit diesem Autor fand in der Spielzeit 2009/10 mit »Othello« sowie 2010/11 mit »Maß für Maß« eine Fortsetzung.

Die Regisseure, die von Thomas Ostermeier und seinem Team an die Schaubühne geholt werden, setzen sich auf je spezifische, oft politische Weise zu der gesellschaftlichen Realität und der Möglichkeit ihrer Präsentation auf der Bühne ins Verhältnis, wobei das Theater größten Wert auf ein facettenreiches Spektrum und auf möglichst auch untereinander kontroverse Ästhetiken und Spielweisen legt:

Während Falk Richter die Subjektive des postmodernen Individuums erkundet, protestieren Volker Löschs Sprechchöre gegen soziale Ungerechtigkeiten.

Ivo van Hoves genaue Arbeit am Text spürt die privaten, berührenden Geschichten im Kontext der großen gesellschaftlichen Umbrüche auf.

Constanza Macras' Choreographien hingegen springen sehr physisch mit ihren kraftvollen Bildern mitten ins Leben hinein.

Katie Mitchell zeigt in ihren live auf der Bühne produzierten Filmen die perfekte Illusion sowie den Prozess ihrer Herstellung.

Typisch für Egill Pálssons Arbeiten ist der spielerische Umgang mit Form, der Wechsel zwischen epischer und dramatischer Darstellung, die sowohl das emotionale Mitfühlen mit den Figuren als auch die intellektuelle Reflektion zulassen.

Marius von Mayenburg konzentriert sich in seinen Regiearbeiten auf das Wesentliche des Theaters, auf den Schauspieler und die Sprache.

David Marton lotet mit einem Ensemble aus Sängern, Schauspielern und Musikern den Grenzbereich von Sprech- und Musiktheater aus – und setzt dadurch ungekannte Experimentiermöglichkeiten der Schauspielbühne frei.

Michael Thalheimers radikale Reduktionen legen den Kern des Dramas und seiner Figuren für ein gegenwärtiges Publikum frei.

Der spanisch-argentinische Autor und Regisseur Rodrigo García rechnet in seinen wütend-selbstironischen Texten mit den Errungenschaften der westlichen Zivilisation ab. Seine Inszenierungen sind geprägt von einer physisch-radikalen, und zugleich sehr poetischen Bildsprache.

Die künstlerische Programmatik des Hauses trifft auf große Resonanz inner- und außerhalb Berlins. Zahlreiche Gastspiele in aller Welt bestätigen Jahr für Jahr, wie sehr es dem künstlerischen Team gelingt, das internationale Renommee der Schaubühne weiterzuentwickeln: Bislang 618 Gastspiele mit 1.635 Vorstellungen – davon mehr als die Hälfte seit der Spielzeit 1999/2000 – führten das Theater vorwiegend ins Ausland.

Seit der Spielzeit 2008/09 ist die Schaubühne ein Gründungsmitglied des Europäischen Theaternetzwerks Prospero. Dieses Netzwerk verbindet Theater aus Portugal, Frankreich, Belgien, Italien, Finnland und Deutschland. Es werden gemeinsam neue Koproduktionen erarbeitet und Gastspiele ausgetauscht. Die Zusammenarbeit begann 2008 mit Thomas Ostermeiers Inszenierung von Ibsens »John Gabriel Borkmann« in Rennes und brachte Koproduktionen wie »La menzogna« von Pippo Delbono (2008), Falk Richter and Anouk van Dijks »PROTECT ME« (2010) und Krzysztof Warlikowskis »Afrikanische Erzählungen nach Shakespeare« (2011) hervor, aber auch Werke von vielversprechenden Nachwuchsregisseuren wie Jan-Christoph Gockels Romanadaption »Der talentierte Mr. Ripley« von Patricia Highsmith (2011).

Innerhalb des Netzwerkes werden bis 2012 Inszenierungen u. a. von Alvis Hermanis (Lettland), Krystof Warlikowski (Polen), Pippo Delborno (Italien) und Falk Richter (Berlin) entstehen und in den beteiligten Theatern gezeigt.

Außerdem produziert Prospero im Rahmen eines Nachwuchsprogramms Arbeiten junger Regisseure und hat ein Netzwerk europäischer Theaterwissenschaftler gegründet, das 2010 und 2012 seine Forschungsergebnisse vorstellte.

1962-2012

1962
wurde das Theater unter dem Namen »Schaubühne am Halleschen Ufer« als privates Theater mit einem politisch und sozial engagierten Spielplan gegründet. Von den ursprünglich vier Gründungsmitgliedern trug Jürgen Schitthelm bis Oktober 2012 als Direktor weiterhin Verantwortung für die Schaubühne.

1970
kam mit Peter Stein eine Gruppe junger Theatermacher und -schauspieler an die Schaubühne. Vor dem Hintergrund der 68er-Bewegung und ausgehend von einer Unzufriedenheit mit dem damaligen Stadttheatersystem ging es darum, dem deutschen Stadttheater durch neue Formen gemeinsamer Theaterarbeit eine Alternative entgegenzusetzen. Ein Mitspracherecht aller künstlerischen Mitarbeiter bei Stückauswahl und Spielplanpolitik und die überragende Bedeutung einer wissenschaftlich und langfristig konzipierenden Dramaturgie ermöglichten den Aufbau eines der bedeutendsten Schauspielensembles und eine ungewöhnliche Durchdringung von gesellschaftlichem Alltag und konzentrierter Theaterarbeit. Mehr als 30 Einladungen zum Berliner Theatertreffen, 44 Fernsehaufzeichnungen von Schaubühnen-Inszenierungen und zahlreiche internationale Gastspiele dokumentieren dies auf eindrucksvolle Weise. Als spezifisch für den »Schaubühnen-Stil« gelten der behutsame Umgang mit und die psychologisch genaue Ausleuchtung von Texten und Epochen der Weltliteratur. Neben der Auseinandersetzung mit der griechischen Tragödie, dem Zeitalter Shakespeares, Tschechows, mit Dramatikern des 19. Jahrhunderts, der deutschen und französischen Klassik gehörten Stücke zeitgenössischer Autoren wie Botho Strauß und Peter Handke zum Spielplan der Schaubühne.

Peter Stein blieb bis 1985 Künstlerischer Leiter, zu seinen bedeutendsten Inszenierungen zählen »Peer Gynt« (1971), »Das Sparschwein« (1973), »Prinz Friedrich von Homburg« (1972), »Sommergäste« (1974), »Groß und Klein« (1978), »Die Orestie des Aischylos« (1980), »Drei Schwestern« (1984), »Der Kirschgarten« (1989) und »Roberto Zucco« (1990). Steins Weggefährten, die Regisseure Klaus Michael Grüber, Luc Bondy und Robert Wilson, haben bis Ende der neunziger Jahre an der Schaubühne gearbeitet.

1981
zog die Schaubühne in ein in den zwanziger Jahren von dem Architekten Erich Mendelsohn errichtetes Gebäude am oberen Kurfürstendamm und führt seitdem den Namen »Schaubühne am Lehniner Platz«. Das Haus verfügt über drei Spielstätten, die unabhängig voneinander, aber auch gemeinsam genutzt werden können. Regisseuren und Ausstattern ist es damit möglich, komplexe, den Zuschauer miteinbeziehende Bühnenräume jenseits des klassisch-starren »Guckkasten«-Prinzips zu entwickeln.

Nach Luc Bondy und Jürgen Gosch führte die Regisseurin Andrea Breth als Künstlerische Leiterin die Tradition des Theaters fort. Ihre Trilogie mit Stücken des 19. Jahrhundert, »Der einsame Weg« (1991), »Hedda Gabler« (1993) und »Onkel Wanja« (1998), zählen zu ihren herausragenden Schaubühnen-Arbeiten.

1999–2004
erfand sich die Schaubühne unter der Leitung einer Gruppe junger Theatermacher künstlerisch komplett neu: Thomas Ostermeier, Jens Hillje, Sasha Waltz und Jochen Sandig standen dem Haus nun vor, das sich nicht nur als Schauspiel- sondern auch als Tanztheater positionierte. Mit einem starken programmatischen Anspruch fand ein vollständig neues Ensemble zusammen, das Erbe der mittlerweile legendären Schaubühne am Lehniner Platz anzunehmen und weiter zu entwickeln. Die neue künstlerische Leitung und die (Er-)Neuerung der Mitbestimmung, die Neupositionierung von zeitgenössischer Dramatik als Schwerpunkt des Programms sowie des Tanzes lösten eine große Dynamik im Haus und in der Berliner Kulturlandschaft aus.

2005–2009
lag die künstlerische Verantwortung bei Thomas Ostermeier und Jens Hillje. Luk Perceval und Falk Richter arbeiteten als Hausregisseure regelmäßig an der Schaubühne.

Seit 2009
ist Thomas Ostermeier Künstlerische Leiter.

Die Schaubühne versteht sich als ein Laboratorium, das im Dialog mit anderen Disziplinen wie Architektur, Bildender Kunst, Musik, Literatur und Film an der Entwicklung einer Theatersprache der Gegenwart mit dem Ziel arbeitet, das seit ihrer Gründung unverwechselbar eigene Profil des Theaters zu schärfen und den Ruf der Schaubühne als eines der führenden deutschsprachigen Theater im In- und Ausland zu bestätigen.

2012
übergibt Jürgen Schitthelm seine Verantwortung als Direktor der Schaubühne an Dr. Friedrich Barner, der seit 1991 Mitglied der Direktion ist, und Tobias Veit. Als Gesellschafter bleibt er weiterhin Teil seines Lebenswerks.
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